Dr. Klaus von Gehlen

Privat-Praxis für Psychotherapie
und angewandte Psychologie

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R E I H E - W I S S E N.

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1.) PSYCHOTHERAPIE - WAS KANN SIE, WAS KANN SIE NICHT?

Psychotherapie ist die Heilbehandlung von solchen seelischen Leiden, die Krankheitswert haben. Das dürfen nur Diplom-Psychologen mit Zusatzbezeichnung „Psychologischer Psychotherapeut“, Ärzte mit Zusatzermächtigung sowie (in eingeschränkter Weise) besonders dazu ermächtigte Heilpraktiker. Nur tiefenpsychologische und psychoanalytische Therapie sowie Verhaltenstherapie sind Heilbehandlungen i.S.d. Gesetzes. Andere „Methoden“, wie Energiearbeit (z.B. Reiki, Geistheilung, Engelskulte, Channeln) sind keine Heilbehandlung sondern Esoterik. Yoga und Meditation sind ebenfalls keine Heilbehandlung.
Was kann Psychotherapie nicht? Sie kann nicht von allg. Lebensrisiken befreien (hierfür trägt jeder alleine die Verantwortung). Sie kann  auch nicht Schwierigkeiten des täglichen Lebens nehmen (hier hilft ggf. der Sozialarbeiter). Erst recht kann sie kein umfassendes Heil bringen (das gibt es nämlich gar nicht).
Was kann Psychotherapie? Verhaltenstherapie kann von leidvollen Gewohnheiten befreien. Aber nur, wenn der Patient bereit ist, sich diese aufgrund einer eigenverantwortlichen Enscheidung abzutrainieren. Der Therapeut gibt nur Trainingsanweisungen. Tiefenpsychologische und psychoanalytische Therapie können darüber hinaus innerseelische Konflikte bearbeiten. Aber nur, wenn sich der Patient eingesteht, daß nicht die „böse“ Umwelt sondern er selber für sein Leben verantwortlich ist. Der Patient muss bereit sein, den Konflikt auf den Therapeuten zu verlagern (zu „übertragen“). Dann kann der Therapeut sich so verhalten, daß eine gesunde (d.h. realistische) Bearbeitung des Konfliktes möglich wird.
Ziel der Psychotherapie ist, daß der Patient sie nach einer gewissen Zeit nicht mehr braucht, d.h. die Verantwortung für sein Leben wieder (oder erstmalig) selber trägt. Seriöse Psychotherapie grenzt sich von „Heilsversprechungen“ (deren Ziel es ist, „geglaubt“ zu werden) scharf ab. Psychotherapie ist vielmehr eine vorübergehende Zusammenarbeit zwischen Psychotherapeut und Patient nach professionellen Regeln und mit verteilten Rollen.

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2.) ZWISCHEN DEPRI, DEPRESSION UND MELANCHOLIE

Was ist Depression? Es beginnt mit Traurigkeit. Gelingt mir etwas nicht oder verliere ich etwas, dann bin ich traurig. Das ist normal. Manche nennen es „Depri“. In der Regel lässt die Traurigkeit nach einer gewissen Zeit wieder nach. Manchmal aber bleibt sie bestehen, verselbständigt sich. Wenn Sie nach etwa einem Jahr Trennung von einer geliebten Person (Trauerjahr) nicht wieder Freude am Leben finden, dann hat sich die Trauer zur echten Depression (im Sinne einer seelischen Krankheit) verdichtet. Grund für eine solche Verdichtung ist nicht die Intensität des Trauerfalles, sondern dessen Vorgeschichte - und zwar die, die bereits in der Kindheit begonnen hat. Beispiel: Ein Junge, der allzu früh seine geliebte Mutter verloren hat, oder der umgekehrt allzu lange bemuttert wurde, kann später auf den Verlust einer geliebten Partnerin depressiv reagieren (leichte, mittelschwere oder starke „reaktive Depression“). Eie noch schwerere Form, die sog. „endogene Depression“ (Melancholie) ist von äußeren Ereignissen unabhängig und Folge von Stoffwechselstörungen im Gehirn. Depressionen können sich auch hinter komplizierten körperlichen Erkrankungen verstecken, wie in einer Larve („larvierte Depression“).
Woran erkennt man Depressionen? Z.B.an Interessenverlust, Minderwertigkeitsgefühlen, Schuldgefühlen, Freudeverlust (selische Symptome) oder an eingeschränkter Reaktionsfähigkeit, Schlafstörungen, psychomotorische Hemmung oder Agitiertheit, Konzentrationsstörungen, Gewichtsverlust, Libidoverlust (körperliche Symptome). Ob tatsächlich eine Depression vorliegt, lässt sich aber erst anhand der Lebensgeschichte des Patienten entscheiden.
Was kann man gegen Depressionen tun? Sie lassen sich psychotherapeutisch behandeln. Verhaltenspsychotherapie kann sie lindern, auflösen kann sie nur tiefenpsychologische oder analytische Psychotherapie. Endogene Depressionen lassen sich nur medikamentös (durch den Psychiater) behandeln, ggf. in Verbindung mit Verhaltenstherapie (durch den Psychotherapeuten). Das mit der Heilung ist allerdings so eine Sache: Sigmund Freud sagte einmal: „Der eigentlich gesunde Zustand ist der einer leichten depressiven Haltung“ Oder werden Sie nicht traurig, wenn Sie die Welt mit realistischen Augen sehen?

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3.) DAS LEIDIGE THEMA KRANKENKASSE

Krankenkassen müssen sein. Schon aus sozialen Gründen. Damit jeder, aber auch jeder die Chance hat, im Fall einer psychischen Erkrankung angemessen behandelt zu werden. Krankenkassen sind aber nur für Krankheiten da, nicht für allgemeine menschliche Probleme, die das Leben mit sich bringt. Das wird von Hilfesuchenden oft übersehen.

Krankenkassen haben aber auch Nachteile: Manche glauben nämlich, daß ihnen eine Psychotherapie die seelischen Probleme einfach „wegbehandelt“, ohne daß sie selber etwas dafür tun müssen. In diesem Fall ist es günstig, wenn der Patient selber etwas zahlen muss. Es gibt noch einen weiteren Nachteil: Kassen machen es den Therapeuten oft schwer, einen  Patienten seiner Eigenart entsprechend zu behandeln, da die Kassen die Bezahlung an allgemein verbindliche, oft recht restriktive Voraussetzungen knüpfen. Schließlich mischen sich die Kassen in den konkreten Behandlungsablauf in einer Weise ein, die oft mit der Intimität und Verschwiegenheit einer Behandlung nicht vereinbar ist. Zudem versuchen sie Einfluss auf die Dauer der Behandlung zu nehmen - natürlich im Sinne einer möglichst kurzen Behandlung.

Mit diesem Dilemma müssen jedenfalls diejenigen leben, die ihre Therapie nicht mit Hilfe ihrer eigenen Arbeitskraft finanzieren können oder wollen. Ebenso müssen mit dem Dilemma diejenigen Therapeuten leben, die, aus welchen Gründen auch immer, über Kassen abrechnen wollen.

Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit: Die private Abrechnung. „Unsozial“, werden manche sagen, „das können sich nur die Wohlhabenden leisten“. Stimmt nicht ganz, denn es steht dem Therapeuten in Absprache mit dem Patienten frei, bei der Honorarvereinbarung den realen finanziellen Möglichkeiten des Patienten entgegenzukommen. Dies wird der Therapeut sicher nicht automatisch tun, sondern nur in den Fällen, in denen der Patient hinreichend für die Therapie motiviert und aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur geeignet ist.

Ich habe jedenfalls keine Probleme, eine solche soziale Lösung im Einzelfall zu finden, lege jedoch Wert darauf, dass der Hilfesuchende in jedem Fall einen zwar zumutbaren, aber spürbaren eigenen finanziellen Anteil (Eigenanteil) beiträgt. Dies hat die Bedeutung, daß nicht nur der Therapeut für den Patienten arbeitet, sondern auch der Patient für den Therapeuten. Insoweit begegnen sich dann beide auf Augenhöhe, ohne daß ein „Dritter“ mitmischt - m.E. eine der Grundvoraussetzungen für eine realistische Therapie.

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 4.) WER KÜMMERT SICH WIE UM DIE LEIDENDE SEELE?

Da gibt es zunächst die Psychologie. Sie ist allerdings keine Behandlungsmethode, sondern eine Forschungsmethode (Gegenstand: das Erleben und Verhalten des Menschen im Allgemeinen). Das individuelle Behandeln, Helfen, Unterstützen hingegen ist Sache der folgenden Disziplinen:

Psychotherapie behandelt Entwicklungs-/Verhaltensstörungen mit Krankheitswert.
Seelsorge stärkt den religiösen Glauben.
Sozialarbeit hilft bei misslungener sozialer Eingliederung.
Lebensberatung hilft bei seelischen / sozialen Störungen ohne Krankheitswert.
Coaching hilft bei der Planung und Durchführung konkreter praktischer Ziele.
Psychiatrie behandelt Stoffwechselstörungen mit Krankheitswert im Gehirn.

Diese Bereiche überschneiden sich häufig in der Praxis. Das mag manchmal OK sein. In vielen Fällen allerdings kann das auch zu einer gefährlichen Verwässerung in der Behandlung führen. Deshalb sind die Grenzen zwischen den verschiedenen Disziplinen wichtig.

Grenze Psychotherapie / Seelsorge: Während z.B. die Seelsorge  eher die Fähigkeit unterstützt, sich von einer Werte-gebenden „höheren Macht“ leiten zu lassen, bemüht sich die Psychotherapie darum, die Fähigkeit zu stärken, sein Leben mit Hilfe eigenverantwortlicher Entscheidungen realistisch zu  gestalten. Die mit dieser Unterscheidung naheliegenden Diskussionen sollten nicht auf dem Rücken von Hilfesuchenden ausgetragen werden. Vielmehr sollte mit dem Hilfesuchenden eindeutig geklärt werden, ob er Seelsorge sucht oder Psychotherapie. Der Psychotherapeut sollte sich jeglicher seelsorgerischer Tätigkeit enthalten und der Seelsorger sollte sich jeglicher Krankheitsbehandlung enthalten.

Grenze Psychotherapie / Sozialarbeit: Die Vermischung zwischen Psychotherapie und Sozialarbeit ist ebenfalls problematisch. Viele Therapeuten greifen so weit in das praktische Leben des Patienten ein, wie dies dem Tätigkeitsfeld des Sozialarbeiters entspricht. Dies hindert oft die eigentliche therapeutische Aufgabe, nämlich dem Patienten zu eigenverantwortlicher Bewältigung anstehender Probleme zu verhelfen. Im Übrigen ist der Sozialarbeiter dafür ausgebildet, sozial einzugreifen und zu gestalten, der Psychotherapeut in der Regel nicht.

Grenze Psychotherapie / Lebensberatung/Coaching: Weiter erweckt die (auch psychologische) Lebensberatung und das Coaching allzu oft den Eindruck, schon Psychotherapie zu sein. Über die Unterschiede werden Patienten oft nicht genügend aufgeklärt. Lebensberatung und Coaching sind keine Psychotherapie. Ein Psychotherapeut kann zwar ohne weiteres auch Lebensberater und Coach sein (nicht allerding umgekehrt), allerdings muss er klar erkennbar machen, auf welchem Gebiet er gerade tätig ist.

Grenze Psychotherapie / Psychiatrie: Schließlich ist häufig problematisch die Vermischung von (der Psychiatrie vorbehaltener) medikamentöser und psychotherapeutischer Behandlung.

Die genannten Probleme können realistischer gelöst werden, wenn statt der Vermischung der verschiedenen Disziplinen in einer Person, eher eine kollegiale Kooperation zwischen den verschiedenen, sich eindeutig auf ihre Disziplin konzentrierenden Fachleuten stattfindet. Wie immer gilt auch hier: Keine Regel ohne Ausnahme. Diese klaren Abgrenzungen schließen außerdem nicht eine Kombination verschiedener Behandlungsmethoden im Sinne einer integrativen Therapie aus. Doch dazu an anderer Stelle.

Übrigens:
Ein Psychotherapeut, muss entweder Arzt mit Zusatzausbildung sein oder Diplompsychologe mit staatlicher Approbation als „Psychologischer Psychotherapeut“.
Während die Psychiatrie im Wesentlichen mit Medikamenten (Psychopharmaka) behandelt, arbeitet die Psychotherapie mit Methoden, die sich aus der psychologischen und der metapsychologischen (psychoanalytischen) Forschung ergeben.

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